Ratgeber Veröffentlicht am 9. Juni 2026 13 Min. Lesezeit

Lebensmittel retten per App: Too Good To Go und 5 Alternativen

Lebensmittel retten statt wegwerfen. Mit Too Good To Go und fünf weiteren iPhone Apps sparst du Geld und reduzierst Verschwendung.

Die kurze Version

Du willst direkt loslegen? Hier die wichtigsten Apps auf einen Blick:

  • Too Good To Go: Die größte Plattform mit über 19.000 Partnern in Deutschland. Überraschungstüten von Bäckereien, Restaurants und Supermärkten ab ca. 3 €.
  • ResQ Club: Du siehst vorher, was drin ist. In Deutschland bisher nur in Berlin und Duisburg verfügbar.
  • OLIO: Kostenlose Lebensmittel von Nachbarn und lokalen Läden teilen.
  • Foodsharing.de: Deutsche Community-Plattform zum Verschenken. Über den Browser nutzbar, da die UXA-App eingestellt wurde.
  • Zu gut für die Tonne!: Reste-Rezepte vom Bundesministerium. Was du schon zuhause hast, clever verwerten.
  • Motatos: Online-Supermarkt für gerettete Lebensmittel mit Lieferung nach Hause.

Jetzt im Detail.

Warum Lebensmittel retten?

In Deutschland landen jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Etwa die Hälfte davon entsteht in Privathaushalten. Das sind nicht nur verdorbene Reste. Oft sind es Produkte, die noch einwandfrei sind, aber das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben oder optisch nicht mehr perfekt aussehen.

Das Problem ist gleichzeitig eine Chance. Mit den richtigen Apps kannst du gutes Essen vor der Tonne bewahren, dabei Geld sparen und nebenbei etwas für die Umwelt tun. Kein erhobener Zeigefinger. Einfach eine smarte Gewohnheit.

Too Good To Go. Der Platzhirsch

Too Good To Go ist mit Abstand die bekannteste App zum Lebensmittelretten. Über 19.000 Partner in Deutschland nutzen das System inzwischen, von der kleinen Bäckerei bis zu Rewe und Edeka. Das Konzept ist simpel: Bäckereien, Restaurants, Supermärkte und Cafés bieten übrig gebliebene Produkte als sogenannte Magic Bags (früher Überraschungstüten) an. Du reservierst eine Tüte in der App, bezahlst einen Bruchteil des regulären Preises und holst sie im angegebenen Zeitfenster ab.

Too Good To Go: End Food Waste
Too Good To Go: End Food Waste

Lebensmittel retten — günstig und nachhaltig

Sehr gutKostenlosDeutsch

Für wen: Alle, die gerne günstig essen und dabei Lebensmittel retten wollen. Vom Studenten bis zur Familie.

Was du bekommst

Die Magic Bags kosten typischerweise zwischen 3 € und 6 €. Was genau drin ist, weißt du vorher nicht. Das gehört zum Konzept. Bei einer Bäckerei bekommst du oft Brot, Brötchen und Gebäck im Wert von 12 bis 18 €. Bei Supermärkten können es Obst, Gemüse, Milchprodukte oder Fertiggerichte sein. Faustregel: Du zahlst etwa ein Drittel des regulären Werts.

Tipps für die beste Erfahrung

  • Benachrichtigungen aktivieren: Beliebte Läden sind schnell ausverkauft. Push-Nachrichten helfen, rechtzeitig zuzuschlagen.
  • Favoriten setzen: Markiere deine Lieblingsbäckerei oder den Supermarkt um die Ecke. Die App zeigt dir dann zuerst deren Angebote. Mit der Kurzbefehle-App lässt sich das Öffnen von Too Good To Go auch direkt als Abend-Routine automatisieren.
  • Abholzeiten beachten: Die Zeitfenster sind meistens kurz, oft nur 30 bis 60 Minuten. Plane die Abholung in deinen Alltag ein.
  • Flexibel bleiben: Du weißt nicht, was drin ist. Wer damit ein Problem hat, ist bei ResQ Club besser aufgehoben.

Mein Eindruck

Too Good To Go funktioniert in Großstädten hervorragend. In Berlin, München, Hamburg oder Köln findest du jederzeit dutzende Angebote in der Nähe. Auf dem Land wird es dünner. Aber selbst in kleineren Städten gibt es inzwischen oft Bäckereien oder Supermärkte, die mitmachen.

Wer regelmäßig ein bis zwei Tüten pro Woche holt, kann laut Too Good To Go rund 630 € im Jahr sparen. Die Zahl klingt hoch, aber bei einem durchschnittlichen Warenwert von 12 € pro Tüte ist das realistisch. Anders als beim klassischen Essen bestellen mit dem iPhone bekommst du hier Restaurant-Qualität zum Bruchteil des Preises. Der Haken: Du musst selbst hinfahren.

Die 5 Alternativen

1. ResQ Club. Du siehst, was du bekommst

ResQ Club funktioniert ähnlich wie Too Good To Go, mit einem entscheidenden Unterschied: Du siehst vorher, was angeboten wird. Keine Überraschungstüte, sondern konkrete Gerichte oder Produkte, die du gezielt auswählen kannst.

ResQ Club
ResQ Club

Save money by rescuing goods from your favourite shops. ResQ Club is a service that connects users with local restauran…

Kostenlos

Für wen: Alle, die lieber gezielt einkaufen statt sich überraschen zu lassen. Besonders in Berlin und Duisburg.

In Deutschland ist die App aktuell nur in Berlin und Duisburg verfügbar. Restaurants, Bäckereien und Lebensmittelläden bieten ihre Überschüsse mit 40 bis 70 % Rabatt an. Die Bezahlung läuft direkt über die App, und du holst dein Essen im angegebenen Zeitfenster ab.

Vorteil gegenüber Too Good To Go: Transparenz. Du weißt, wofür du zahlst. Nachteil: Deutlich kleineres Netzwerk. Außerhalb von Berlin und Duisburg nicht nutzbar.

2. OLIO. Lebensmittel von Nachbarn teilen

OLIO geht einen anderen Weg. Hier teilen Menschen aus deiner Nachbarschaft Lebensmittel, die sie nicht mehr brauchen. Ehrenamtliche Food Waste Heroes sammeln außerdem überschüssige Ware von lokalen Supermärkten ein und bieten sie kostenlos über die App an.

Olio
Olio

Olio is your local go-to for free food and other useful stuff people nearby no longer need.

Kostenlos

Für wen: Community-orientierte Menschen, die Lebensmittel lieber verschenken und teilen statt kaufen.

Du fotografierst einfach, was du abzugeben hast, stellst es in die App und arrangierst die Übergabe per Chat. Alles kostenlos, kein Geld fließt.

Ehrliche Einschätzung: OLIO ist mit rund 9 Millionen Nutzern weltweit groß, vor allem in UK. In Deutschland ist die App in allen Großstädten verfügbar, aber die Aktivität schwankt stark vom Stadtteil. Auf dem Land praktisch keine Angebote. Trotzdem einen Blick wert. Je mehr Leute mitmachen, desto besser wird es.

3. Foodsharing.de. Die deutsche Community

Foodsharing.de ist die größte deutschsprachige Plattform zum kostenlosen Verschenken von Lebensmitteln. Hinter dem Verein stehen rund 600.000 Foodsaver in der DACH-Region, die Überschüsse von über 15.000 Betrieben abholen und weitergeben.

Für wen: Alle, die foodsharing aktiv mitgestalten und Teil einer Community werden wollen.

Eine native iPhone-App gibt es aktuell nicht. Die früher empfohlene UXA-App wurde mittlerweile aus dem App Store entfernt. Foodsharing.de funktioniert über den Browser auf foodsharing.de. Du kannst die Seite in Safari als Lesezeichen oder per Zum Home-Bildschirm als App-Icon ablegen, dann fühlt sie sich fast wie eine App an.

Tipp: Foodsharing lebt vom Mitmachen. Wer einmal als Foodsaver registriert ist, kann selbst Abholungen bei Bäckereien oder Supermärkten organisieren. Das ist mehr Aufwand als Too Good To Go, dafür komplett kostenlos und mit echter Community-Erfahrung.

4. Zu gut für die Tonne!. Reste clever verwerten

Diese App vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft löst ein anderes Problem: Was machst du mit den Lebensmitteln, die schon in deinem Kühlschrank liegen?

Zu gut für die Tonne!
Zu gut für die Tonne!

Lecker mit Resten kochen? Das geht ganz einfach mit der Rezepte-App Zu gut für die Tonne! des Bundesministeriums für Er…

Kostenlos

Für wen: Alle, die zuhause weniger wegwerfen wollen. Mit kreativen Rezepten für Reste.

Du gibst ein, was du noch daheim hast, und bekommst passende Rezepte vorgeschlagen. Über 800 Reste-Rezepte sind in der App, darunter vegetarische, vegane und glutenfreie Optionen. Ein Portionsrechner hilft zusätzlich, die richtige Menge zu kochen.

Warum sie in diese Liste gehört: Lebensmittel retten fängt nicht erst im Supermarkt an. Die größte Verschwendung passiert in den eigenen vier Wänden. Diese App hilft dir, das zu ändern. Sie ist komplett kostenlos, werbefrei und sammelt keine Daten.

5. Motatos. Der Online-Supermarkt für Gerettetes

Motatos (früher Matsmart) ist ein Online-Supermarkt, der Lebensmittel verkauft, die es nicht mehr in den regulären Handel schaffen. Überproduktion, kurze Restlaufzeit, Verpackungsfehler oder saisonale Ware. Alles einwandfrei, aber deutlich günstiger.

Motatos
Motatos

WIR SIND MOTATOS - Dein nachhaltiger und günstiger Online-Supermarkt. Bestelle Lebensmittel, die es nicht mehr in den S…

Kostenlos

Für wen: Online-Shopper, die nachhaltig einkaufen und bis zu 80 % sparen wollen, ohne das Haus zu verlassen.

Über 1.500 Produkte von mehr als 300 Partnern findest du in der App: Pantry-Basics, Snacks, Bio-Produkte und Getränke. Versand kostet 4,90 €, ab 50 € ist die Lieferung kostenlos. Bezahlt wird per Apple Pay, PayPal, Klarna oder Kreditkarte. Lieferzeit: 3 bis 5 Werktage per DHL oder DPD.

Besonderheit: Anders als Too Good To Go ist Motatos kein Resteverwertungstool, sondern ein vollwertiger Shop. Du bestellst gezielt, was du brauchst. Nur eben Produkte, die sonst in der Tonne gelandet wären.

Welche App passt zu dir?

AppKostenKonzeptVerfügbarkeit
Too Good To Go3 bis 6 € pro TüteMagic Bags abholenDeutschlandweit, 19.000+ Partner
ResQ Club40–70 % RabattKonkrete Angebote wählenBerlin und Duisburg
OLIOKostenlosNachbarn teilen EssenGroßstädte, schwankend
Foodsharing.deKostenlosCommunity-FoodsharingDACH-weit, nur Browser
Zu gut für die Tonne!KostenlosReste-RezepteÜberall nutzbar
MotatosBis 80 % günstigerOnline-SupermarktLieferung DE-weit

Meine Empfehlung: Starte mit Too Good To Go. Die App hat die meisten Angebote und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Ergänze mit „Zu gut für die Tonne!” für alles, was schon im Kühlschrank liegt. Und wenn du in Berlin oder Duisburg wohnst, lohnt sich ein Blick auf ResQ Club.

Häufige Fragen

Ist das Essen bei Too Good To Go noch gut?

Ja. Die Lebensmittel sind einwandfrei. Sie sind nur übrig geblieben oder nähern sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Das bedeutet nicht, dass sie schlecht sind. Das MHD ist kein Verfallsdatum. Im Zweifel hilft die alte Regel: schauen, riechen, probieren.

Kann ich wählen, was in der Magic Bag ist?

Nein. Das gehört zum Konzept von Too Good To Go. Du weißt vorher nur, von welchem Laden die Tüte kommt und ungefähr welche Kategorie (Backwaren, Lebensmittel, Gerichte). Wenn dir das zu unsicher ist, probiere ResQ Club. Dort siehst du das Angebot vorher.

Wie viel kann ich mit Too Good To Go wirklich sparen?

Realistisch sind 3 bis 6 € pro Tüte für Ware im Wert von 9 bis 18 €. Wer ein bis zwei Tüten pro Woche holt, kommt auf 300 bis 600 € Ersparnis im Jahr. Voraussetzung: Du integrierst die Abholung in deinen Alltag und kaufst nicht zusätzlich, sondern ersetzt damit reguläre Einkäufe.

Funktionieren die Apps auch auf dem Land?

Too Good To Go hat inzwischen auch in kleineren Städten Anbieter, allerdings deutlich weniger als in Großstädten. OLIO und Foodsharing sind stark von der lokalen Community abhängig. Motatos und „Zu gut für die Tonne!” funktionieren unabhängig vom Standort.

Was ist der Unterschied zwischen foodsharing.de und Too Good To Go?

Foodsharing.de ist eine ehrenamtliche Initiative. Lebensmittel werden kostenlos abgeholt und weitergegeben, organisiert über die Website. Too Good To Go und ResQ Club sind kommerziell. Die Anbieter verdienen etwas, du sparst trotzdem.

Gibt es auch Apps für krummes Gemüse?

Etepetete und Motatos bieten Lebensmittel an, die wegen Optik oder Verpackung aus dem regulären Handel fallen. Etepetete liefert Bio-Gemüsekisten im Abo (ohne eigene App, nur per Website). Motatos hat eine iPhone-App und einen breiteren Produktmix. SIRPLUS, der bekannte Online-Shop für gerettete Lebensmittel, ist 2026 nach kurzer Insolvenz wieder online und ebenfalls eine Option, allerdings nur über den Browser.

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