Ratgeber Veröffentlicht am 10. September 2026 8 Min. Lesezeit

Apple Watch Series 12 und Ultra 4: Was wirklich neu ist

Neuer Chip, neue Herzsensorik, Tagesform: was die neuen Apple Watches können und wie sie sich von Series 11, 10 und 9 unterscheiden.

Die Series 12 von beiden Seiten: vorn die Herzfrequenz-App, hinten die neuen optischen Sensoren. Bild: Apple

Apple hat neben den neuen iPhones auch die Apple Watch Series 12 und die Apple Watch Ultra 4 gezeigt. Die kurze Antwort: Beide bekommen einen neuen Chip und eine neue Herzsensorik, aber kein neues Display, kein neues Gehäuse und keinen neuen Preis. Wer eine Series 11 trägt, kann sie behalten. Ab einer Series 9 abwärts wird es interessant.

Das ist bei der Series 12 wirklich neu:

  1. Der S11-Chip. Klingt nach Routine, ist aber die erste echte Chip-Ablösung seit 2024: Die Series 11 trug noch den S10 aus der Series 10.
  2. Ein neues Health Sensing System mit größeren grünen LEDs und ringförmig angeordneten Fotodioden. Die Herzfrequenz wird jetzt rund um die Uhr alle fünf Sekunden gemessen statt nur gelegentlich.
  3. Tagesform, ein Wert von 0 bis 10, der aus Schlaf, Belastung und Herzdaten eine Empfehlung für den Tag ableitet.
  4. Keramikgehäuse und Ceramic Shield 2. Keramik gab es zuletzt zu Series-5-Zeiten, das härtere Deckglas ersetzt bei den Aluminium-Modellen das bisherige Ion-X.

Nicht angefasst hat Apple Display, Gehäusemaße, Wasserschutz und Preis. Genau das entscheidet, ob sich der Wechsel für dich lohnt.

Die neue Sensorik ist der eigentliche Grund

Bisher hat die Apple Watch die Herzfrequenz im Alltag nur stichprobenartig gemessen. Der neue Sensor misst die Herzfrequenz laut Apple alle fünf Sekunden, die Herzfrequenzvariabilität bis zu 24-mal häufiger als bisher. Das ist kein neuer Messwert, sondern derselbe Wert deutlich engmaschiger erhoben.

Daraus entsteht die Tagesform: ein Wert zwischen 0 und 10 mit einer von vier Empfehlungen. Ob dir das im Alltag etwas bringt, hängt davon ab, ob du solche Werte auch wirklich nutzt. Wer ohnehin nach Gefühl trainiert, wird die Anzeige nach zwei Wochen ignorieren.

Wichtig für die Einordnung: Einen neuen Sensortyp gibt es nicht. EKG, Blutsauerstoff, Hauttemperatur, Schlafapnoe- und Bluthochdruck-Hinweise waren alle schon vorher da. Die Bluthochdruck-Hinweise kamen mit der Series 11, die Schlafapnoe-Erkennung mit der Series 10. Für Deutschland ist die Lage erfreulich eindeutig: Alle diese Funktionen sind hier freigegeben. Wie die Bluthochdruck-Warnung im Alltag funktioniert und was sie nicht kann, steht in unserem Ratgeber dazu.

Die neue Tagesform-Funktion der Apple Watch Series 12. Bild: Apple
Die neue Tagesform-Funktion der Apple Watch Series 12. Bild: Apple

Series 12 gegen ihre drei Vorgänger

Series 12Series 11Series 10Series 9
Jahr2026202520242023
ChipS11S10S10S9
Größen42/46 mm42/46 mm42/46 mm41/45 mm
Helligkeit2.000 Nits2.000 Nits2.000 Nits2.000 Nits
Akku24 Std.24 Std.18 Std.18 Std.
Training10 Std.8 Std.
Schnellladen15 Min = 12 Std.15 Min = 8 Std.15 Min = 8 Std.45 Min auf 80 %
Deckglas (Alu)Ceramic Shield 2Ion-XIon-XIon-X
GehäuseAlu, Titan, KeramikAlu, TitanAlu, TitanAlu, Edelstahl
Bluthochdruckjajanachgereichtnachgereicht
5Gjajaneinnein
Preis449 €449 €449 €449 €

Zwei Zeilen sind bemerkenswerter als alles andere. Die Helligkeit steht seit der Series 9 von 2023 bei 2.000 Nits, drei Generationen ohne Zuwachs. Und der Einstiegspreis liegt seit vier Generationen bei 449 Euro. Apple erwähnt das Display in der gesamten Pressemitteilung mit keinem Wort, was bei Apple zuverlässig heißt: unverändert.

Die Ultra 4 gewinnt vor allem Ausdauer

Bei der Ultra 4 ist die Liste kürzer und ehrlicher: derselbe S11, dieselbe Sensorik wie in der Series 12, und ein spürbar größerer Akku. Statt 42 Stunden sind es jetzt 50, im Stromsparmodus 84 statt 72, also erstmals über drei Tage. Für lange Touren nennt Apple bis zu 45 Stunden Training am Stück und führt als Beispiel einen 100-Meilen-Lauf an. Schnellladen bringt in 15 Minuten 18 statt 12 Stunden.

Die Apple Watch Ultra 4 mit der neuen Tagesform-Anzeige. Bild: Apple
Die Apple Watch Ultra 4 mit der neuen Tagesform-Anzeige. Bild: Apple

Alles andere ist Bestand: Display, Titangehäuse, 40 Meter Tauchtiefe, Sirene und Satellitenfunktionen sind identisch zur Ultra 3, der Preis bleibt bei 899 Euro. Apple führt die Satellitenfunktionen in der Mitteilung ausdrücklich als das auf, was schon vorher da war.

Ein Detail, das für Deutschland zählt: Nachrichten über Satellit gibt es hier nicht. Notruf SOS und die Standortübermittlung über Satellit funktionieren, das Verschicken von Nachrichten bleibt auf die USA, Kanada, Mexiko und Japan beschränkt.

Was in Deutschland zum Start fehlt

Apple bewirbt beim S11 prominent Audio Intelligence: Live Rewind, eine Zusammenfassung durch Siri, verbesserte Geräuscherkennung und schnelleres Shazam. Für uns ist das zunächst eine Ankündigung ohne Gerät dahinter. Apple schreibt in der eigenen Fußnote, Live Rewind und die Siri-Zusammenfassung erschienen später im Jahr als Beta, zunächst nur auf Englisch, und seien in der EU zunächst nicht verfügbar. Dazu brauchen sie ein iPhone 16 oder neuer.

Ob auch Geräuscherkennung und Shazam unter diese Sperre fallen, geht aus Apples Formulierung nicht eindeutig hervor. Ich würde deshalb damit rechnen, dass vom KI-Teil des neuen Chips hier zunächst wenig ankommt, und die Uhr nach der Sensorik beurteilen. Der Hintergrund zur EU-Sperre steht in unserem Artikel dazu, was bei Siri AI in der EU vorerst fehlt.

Lohnt der Wechsel?

Von der Series 11: Nein. Du bekommst den neuen Chip und die dichtere Herzmessung, sonst nichts. Display, Akku im Alltag, Gehäuse und Preis sind identisch.

Von der Series 10: Grenzfall. Der Alltagsakku steigt von 18 auf 24 Stunden, die Bluthochdruck-Hinweise sind ab Werk dabei, dazu 5G. Wenn dich die Laufzeit stört, ist das ein Argument.

Von der Series 9 oder älter: Ja. Hier summieren sich drei Generationen: sechs Stunden mehr Akku, größeres Gehäuse mit größerem Display, Schlafapnoe- und Bluthochdruck-Hinweise, 5G und ein deutlich schnellerer Chip.

Von der Ultra 3 auf die Ultra 4: Nur wegen der Laufzeit. Acht Stunden mehr im Alltag und 45 Stunden Training sind für Mehrtagestouren ein echtes Argument, für alle anderen nicht.

Welche Uhr grundsätzlich zu wem passt, unabhängig vom Modelljahr, klärt unsere Kaufberatung zur Apple Watch. Was watchOS 27 an Software mitbringt, steht in unserem Überblick zu watchOS 27.

Preise und Termine

ModellabVorbestellungVerkaufsstart
Apple Watch Series 12449 €ab sofort18. September
Apple Watch Ultra 4899 €ab sofort18. September

Die Apple Watch SE 3 aus dem Vorjahr bleibt unverändert im Sortiment, einen Nachfolger gibt es dieses Jahr nicht. watchOS 27 erscheint am 14. September für alle Modelle ab Series 9, SE 3 und Ultra 2.

Häufige Fragen

Bekommt die Series 12 ein helleres Display?

Nein. Die Spitzenhelligkeit liegt wie bei Series 9, 10 und 11 bei 2.000 Nits. Auflösung und Bildwiederholrate im Always-On-Modus sind ebenfalls unverändert.

Gibt es einen neuen Gesundheitssensor?

Keinen neuen Messwert. Der optische Herzsensor wurde überarbeitet und misst häufiger, aber EKG, Blutsauerstoff, Hauttemperatur, Schlafapnoe und Bluthochdruck gab es alle schon vorher.

Ist der Blutsauerstoff-Sensor in Deutschland nutzbar?

Ja. Die Abschaltung betraf nur die USA und ging auf einen Patentstreit zurück. In Deutschland war die Funktion nie deaktiviert.

Kommt eine neue Apple Watch SE?

Dieses Jahr nicht. Die SE 3 aus 2025 bleibt das Einstiegsmodell und bekommt watchOS 27.

Unser Fazit

Die Series 12 ist ein sauberes Update ohne Aufreger. Der neue Chip war überfällig, die dichtere Herzmessung ist die sinnvollste Neuerung, und dass Apple den Preis seit vier Jahren hält, ist bemerkenswerter als jede einzelne Funktion. Wenn deine Uhr noch gut läuft und aus 2025 stammt, gibt es keinen Grund zu wechseln.

Bei der Ultra 4 entscheidet allein, ob dir acht Stunden mehr Laufzeit 899 Euro wert sind. Wer keine mehrtägigen Touren macht, ist mit einer gebrauchten Ultra 3 besser bedient.

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