Ratgeber Veröffentlicht am 6. September 2026 12 Min. Lesezeit

Siri AI in iOS 27: Was in der EU vorerst fehlt

Apple schreibt es selbst auf seine Vorschauseiten: Siri AI kommt in der EU zunächst nicht auf iPhone, iPad und Apple Watch. Was das konkret bedeutet.

Apple lädt für den 9. September 2026 zur Keynote, iOS 27 folgt erfahrungsgemäß wenige Tage danach. Spätestens dann wird in vielen Überschriften sinngemäß stehen: iOS 27 bringt das neue Siri. Für ein iPhone in Deutschland stimmt dieser Satz nicht. Apple schreibt das selbst, nur eben in einer einzigen Zeile ganz oben auf der eigenen Vorschauseite.

Der Satz, um den es geht

Auf den deutschen Vorschauseiten zu iOS 27, iPadOS 27 und watchOS 27 steht jeweils direkt unter der Überschrift derselbe Hinweis:

„Und Siri AI kommt später in diesem Jahr auf Englisch. In der EU zunächst nicht auf iOS, iPadOS und watchOS verfügbar.“

Ausführlicher steht es in der Fußnote der macOS-Vorschau:

„Siri AI wird später in diesem Jahr in der Betaversion verfügbar sein und erfordert ein Gerät mit Apple Intelligence, das auf eine unterstützte Sprache eingestellt ist. Zunächst auf Englisch verfügbar. Siri AI wird in der EU zunächst nicht auf iOS, iPadOS und watchOS verfügbar sein.“

Darin stecken vier Aussagen. Das neue Siri kommt später als iOS 27 selbst. Es startet als Betaversion. Es startet nur auf Englisch. Und auf iPhone, iPad und Apple Watch kommt es in der EU zunächst überhaupt nicht.

Wie ernst Apple das meint, zeigt ein Vergleich der Vorschauseiten. Die amerikanische iOS-Seite hat einen kompletten Abschnitt mit der Überschrift Siri AI on iPhone, samt eigener Siri-App, Weltwissen, Schreibtools und einem Siri-Modus in der Kamera. Auf der deutschen Seite kommt der Begriff Siri AI genau einmal vor, nämlich in dem Hinweis oben. Kein Abschnitt, keine Funktionsbeschreibung, keine Bilder. Apple bewirbt die Funktion hierzulande nicht, weil es sie hier zum Start nicht geben wird.

Was Apple als Grund nennt

Anders als bei vielen verspäteten Funktionen schweigt Apple diesmal nicht. Am 8. Juni 2026 hat das Unternehmen eine eigene Mitteilung veröffentlicht, überschrieben mit Aufgrund des DMA kommt Siri AI in der EU für iOS 27 und iPadOS 27 später. Darin heißt es, Apple könne Siri AI aufgrund des Gesetzes über digitale Märkte nicht mit der Veröffentlichung von iOS 27 und iPadOS 27 in der Europäischen Union auf den Markt bringen. Apple beschreibt auch einen eigenen Lösungsvorschlag namens Trusted System Agent, eine Vermittlungsschicht, über die andere Sprachassistenten sicher auf dieselben Funktionen zugreifen sollten. Die EU-Kommission habe keinem der Vorschläge zugestimmt.

Craig Federighi, bei Apple zuständig für die Software, wird darin so zitiert:

„Wir hoffen, Siri AI bald auch in der EU anbieten zu können, und werden weiterhin mit den EU-Regulierungsbehörden an einer Lösung arbeiten. Da sie sich jedoch weigern, konstruktiv mit uns auf Lösungen hinzuarbeiten, die Datenschutz und Sicherheit gewährleisten, können wir derzeit keinen Zeitplan für die Verfügbarkeit von Siri AI in iOS und iPadOS in der EU nennen.“

Das ist Apples Darstellung, und als solche steht sie hier. Die EU-Kommission widerspricht ihr offen. Ihr Sprecher Thomas Regnier erklärte, die Entscheidung liege „allein bei Apple“, nichts im DMA hindere das Unternehmen daran, neue Produkte einzuführen. Statt eine regelkonforme Lösung zu suchen, habe Apple schlicht eine mindestens 18-monatige Ausnahme von den Interoperabilitätspflichten beantragt, und das sei keine Option. Wer recht hat, ist eine juristische und politische Frage. Für dich zählt die Folge, und die bestreitet keine der beiden Seiten: Auf iPhone und iPad kommt das neue Siri hier vorerst nicht.

Was in der EU konkret fehlt

Apple zählt in derselben Mitteilung auf, worauf Nutzer in der EU keinen Zugriff haben werden:

  • Die neue Siri-App. Eine eigene App, in der Unterhaltungen an einem Ort zusammenlaufen, sodass sich frühere Fragen wiederfinden und Gespräche fortsetzen lassen.
  • Ein erweitertes Erlebnis für Visuelle Intelligenz. Wichtig zum Verständnis: Visuelle Intelligenz gibt es hier bereits. Es fehlt der Ausbau, nicht die Grundfunktion.
  • Integrierte Schreibtools. Siri soll Entwürfe schreiben und Rückmeldung zu bereits Geschriebenem geben können.
  • Der Siri-Modus in der Kamera-App. Eine visuelle Suche direkt aus dem Sucher heraus.
  • Weitere auf der WWDC26 angekündigte Siri-AI-Funktionen, darunter das freie Nachschlagen von Weltwissen und das Ausführen von Aktionen in Apps.

Die Apple Watch hängt mit drin, und zwar aus einem technischen Grund: Siri AI setzt auf der Uhr ein gekoppeltes iPhone mit Siri AI voraus. Fehlt das iPhone-Feature, fehlt es auf der Uhr automatisch mit.

Auch Entwickler sind betroffen. Apple schreibt, dass Entwickler mit Standort in der EU die neuen Siri-AI-Funktionen für ihre eigenen Apps unter iOS 27, iPadOS 27 und watchOS 27 nicht testen oder nutzen können.

Was trotzdem ganz normal kommt

Hier liegt der Grund, warum die Panik-Überschriften in die Irre führen. Siri AI ist ein Teil von iOS 27 und nicht das gesamte iOS 27. Der weitaus größere Teil des Updates ist von der Einschränkung nicht berührt und steht ohne jeden Zusatz auf der deutschen Vorschauseite:

  • Fotos bekommt die Räumliche Neuausrichtung, eine Erweitern-Funktion und ein verbessertes Bereinigen.
  • Image Playground soll Bilder in hoher Qualität und nahezu jedem Stil erzeugen, ausdrücklich auch fotorealistisch.
  • Safari gruppiert Tabs automatisch nach Themen und überwacht mit Mitteilung an mich Seiten auf Änderungen wie Preise oder Lagerbestände.
  • Die Passwörter-App kann schwache oder kompromittierte Passwörter nicht nur melden, sondern für dich aktualisieren.
  • Kurzbefehle lassen sich beschreiben, statt sie zu bauen. Du sagst, was passieren soll, die App verknüpft die Aktionen.
  • Die Kindersicherung wird umgebaut, mit Freigabe einzelner Systemapps, Surfanfragen für neue Webseiten und Nutzungszeiten je Kategorie.
  • Tempo und Design. Liquid Glass bekommt einen Regler von ultraklar bis durchgefärbt, dazu nennt Apple bis zu 30 Prozent schnellere App-Starts sowie schnellere Fotoimporte und AirDrop-Übertragungen.

Wichtig für die Einordnung: Apple Intelligence als solches funktioniert in der EU und auf Deutsch. In Apples Gerätefußnote steht Deutsch ausdrücklich in der Liste der unterstützten Sprachen. Was fehlt, ist das neue Siri obendrauf, nicht die bestehende KI-Ebene. Eine vollständige Übersicht des Updates steht in unserer Vorschau auf iOS 27, und welche Neuerung auf welchem iPhone tatsächlich ankommt, sortiert unser Überblick über die wichtigsten iOS-27-Neuerungen.

Genau zwei Funktionen tragen auf der deutschen Seite allerdings den Zusatz Demnächst auf Englisch: die Vorschläge in Nachrichten und Mail sowie der Anrufkontext, der beim Anruf bei einem Unternehmen passende Infos aus deinen Apps einblenden soll. Wann diese beiden auf Deutsch kommen, schreibt Apple nirgends.

Mac und Vision Pro sind ausdrücklich ausgenommen

Ein Detail, das leicht untergeht: In dem Satz auf den Vorschauseiten stehen iOS, iPadOS und watchOS. macOS steht dort nicht. Apple wird in seiner Mitteilung deutlich und schreibt, dass Nutzer in der EU auf Siri AI in macOS 27 und visionOS 27 zugreifen können werden.

Wer also einen Mac hat, bekommt das neue Siri dort. Auf dem iPhone daneben nicht. Ein ungewohnter Zustand in einem Ökosystem, in dem Funktionen sonst über alle Geräte gleich aussehen. Auch auf dem Mac gilt allerdings zunächst: Englisch und Betaversion.

Was heißt hier eigentlich „zunächst“?

Belegbar heißt es genau: kein Termin. Apple schreibt wörtlich, man könne derzeit keinen Zeitplan nennen. Jede Jahreszahl, die dir im Herbst dazu begegnet, ist eine Schätzung und keine Ankündigung.

Es gibt einen Präzedenzfall, und der taugt als Orientierung, nicht als Zusage. Apple Intelligence selbst kam in der EU später als anderswo. In Apples eigener Support-Übersicht steht bis heute ein eigener Absatz für die Europäische Union, der festhält, dass die meisten Apple-Intelligence-Funktionen hier erst ab iOS 18.4 und iPadOS 18.4 verfügbar sind. Auf Deutsch nachgeliefert wurde das Ganze im März 2025, gut neun Monate nach der Ankündigung auf der WWDC 2024. Aus einer Verzögerung wurde damals also eine Nachlieferung. Ob das diesmal genauso läuft, weiß niemand, der es nicht selbst entscheidet.

Lässt sich das umgehen?

Kurze Antwort: Es gibt dafür keine belegte Grundlage. Was dazu in Foren kursiert, bleibt hier bewusst außen vor.

Die lange Antwort erklärt, warum. Apple nennt für Siri AI zwei Voraussetzungen: ein Gerät mit Apple Intelligence und eine unterstützte Sprache, zum Start Englisch. Woran sich das in der EU technisch festmacht, veröffentlicht Apple dagegen nicht. Dass Apple das Kriterium nennen könnte, zeigt der Fall China in derselben Support-Übersicht: Dort beschreibt Apple genau, woran es hängt, nämlich am Kaufland des Geräts, am Aufenthaltsort und am Land des Apple Accounts. Für die EU fehlt eine vergleichbare Beschreibung vollständig. Wer behauptet, das Umstellen der Region oder der Sprache helfe, behauptet also etwas über ein Kriterium, das Apple nie veröffentlicht hat. Dazu kommt: Die Funktion existiert noch nirgends, sie startet erst später im Jahr als Betaversion. Man kann heute nichts ausprobieren und nichts nachweisen.

Und selbst wenn du es später versuchen wolltest, wäre der Preis hoch. Zwei Dinge stehen fest, weil Apple sie selbst dokumentiert:

  • Sprache. Apple Intelligence verlangt, dass Gerätesprache und Siri-Sprache dieselbe unterstützte Sprache sind. Siri AI startet auf Englisch. Das bedeutet ein iPhone, das komplett auf Englisch läuft, inklusive aller Menüs und Mitteilungen.
  • Land des Apple Accounts. Bevor sich das ändern lässt, musst du laut Apple vorhandenes Guthaben aufbrauchen und blockierende Abos kündigen sowie deren Laufzeit abwarten. Danach brauchst du unter Umständen eine Zahlungsmethode aus dem neuen Land, manche Inhalte sind dort nicht verfügbar, und dein iCloud+ läuft zu den Preisen des neuen Landes.

Das ist viel Aufwand mit sicheren Nachteilen für einen Nutzen, den niemand belegen kann. Meine ehrliche Empfehlung ist deshalb: abwarten, statt am eigenen Account zu schrauben.

Was das für dich praktisch bedeutet

Beim Update selbst ändert sich für dich nichts. iOS 27 installierst du im Herbst wie jedes Jahr. Ob dein Gerät dabei ist, steht in unserer Übersicht der iOS-27-kompatiblen Geräte.

Beim Neukauf nicht auf Siri AI setzen. Wenn du mit dem Gedanken spielst, wegen des neuen Assistenten ein neueres iPhone zu kaufen: Das lohnt sich hier zum Start nicht. Die Hardware kannst du kaufen, die Funktion bekommst du damit nicht.

Das heutige Siri bleibt. Der Assistent verschwindet nicht, er wird nur nicht ersetzt. Was er mit Apple Intelligence heute schon leistet und wo er weiterhin scheitert, steht in unserem Artikel zum neuen Siri mit Apple Intelligence.

Die ChatGPT-Anbindung schließt die Lücke teilweise schon heute. Genau das Weltwissen, das Siri AI bringen soll, holt sich Siri auf Nachfrage längst von ChatGPT, auf Deutsch und ohne ChatGPT-Konto. Einschalten unter Einstellungen, Apple Intelligence & Siri, ChatGPT. Danach reicht Siri komplexe Fragen dorthin weiter und liefert die Antwort direkt im Siri-Fenster.

Vorsicht bei Berichten aus den USA. Videos und Tests zum neuen Siri werden im Herbst überall auftauchen und ein echtes Produkt zeigen. Nur eben keines, das auf deinem iPhone landet. Diese Unterscheidung wird in Überschriften fast nie gemacht.

Häufige Fragen

Bekomme ich iOS 27 überhaupt in Deutschland?

Ja, ganz normal. Betroffen ist nur Siri AI. Alle anderen Neuerungen von iOS 27 stehen ohne Einschränkung auf der deutschen Vorschauseite.

Funktioniert Apple Intelligence in Deutschland weiter?

Ja. Apple listet Deutsch ausdrücklich als unterstützte Sprache für Apple Intelligence unter iOS 27. Die Einschränkung betrifft ausschließlich das neue Siri, nicht die bestehenden KI-Funktionen. Wie du sie einrichtest, steht in unserer Anleitung zu Apple Intelligence.

Wann kommt Siri AI in die EU?

Das ist offen. Apple schreibt wörtlich, es gebe derzeit keinen Zeitplan für die Verfügbarkeit in iOS und iPadOS in der EU.

Hilft es, die Region oder die Sprache umzustellen?

Dafür gibt es keinen Beleg. Apple veröffentlicht nicht, woran sich die EU-Einschränkung technisch festmacht, und die Funktion ist noch nicht erschienen. Wer es dennoch versucht, handelt sich dokumentierte Nachteile ein, vom vollständig englischen iPhone bis zum Kündigen laufender Abos beim Wechsel des Account-Landes.

Gibt es eine Alternative zum neuen Siri?

Teilweise. Die ChatGPT-Anbindung von Apple Intelligence funktioniert in Deutschland bereits und beantwortet Wissensfragen direkt über Siri. Wer mehr will, nutzt die ChatGPT-App selbst, die es kostenlos im App Store gibt.

Und auf dem Mac?

Dort ist Siri AI laut Apple auch in der EU vorgesehen, ebenso auf der Apple Vision Pro. Zunächst allerdings als Betaversion und auf Englisch.

Warum fehlt es auch auf der Apple Watch?

Weil Siri AI unter watchOS 27 ein gekoppeltes iPhone mit Siri AI voraussetzt. Ohne das iPhone-Feature gibt es auch auf der Uhr keines.

Das Wichtigste zum Schluss

Wenn im Herbst die Schlagzeilen kommen, brauchst du nur eine Unterscheidung: iOS 27 bekommst du vollständig, Siri AI zunächst nicht. Alles, was Fotos, Safari, Passwörter, Kurzbefehle, Kindersicherung und Tempo angeht, landet ganz normal auf deinem iPhone.

Der sinnvollste nächste Schritt ist deshalb kein Wechsel der Region und kein neues Gerät, sondern ein Blick darauf, was du aus dem heutigen Siri und Apple Intelligence bereits herausholen kannst. Da liegt im Alltag mehr drin, als die meisten nutzen, und es funktioniert auf Deutsch.

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