Ratgeber Veröffentlicht am 3. September 2026 23 Min. Lesezeit

Messenger im Sicherheitsvergleich: Welchen Kompromiss du wirklich eingehst

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt den Inhalt, nicht die Metadaten. Was WhatsApp, Signal, iMessage, Telegram, Threema und WeChat wirklich erfassen.

Fast jeder Text über sichere Messenger beantwortet drei völlig verschiedene Fragen gleichzeitig und merkt es nicht. Deshalb kommt am Ende ein Ranking heraus, das niemandem hilft. Wer wissen will, worauf er sich einlässt, muss die Fragen trennen: Kann jemand mitlesen, was ich schreibe? Kann jemand sehen, mit wem ich schreibe? Und was passiert, wenn jemand mein entsperrtes Telefon in der Hand hat?

❗ Zum Stand dieses Artikels

Stand: 15. August 2026. Alle Tatsachenangaben sind mit Quellen verlinkt, unsere eigene Einschätzung ist als solche gekennzeichnet. Software, Dienste und Rechtslage ändern sich, maßgeblich ist der genannte Stand.

Auf diese drei Fragen gibt dieselbe Technik drei sehr verschiedene Antworten. Verschlüsselung löst die erste zuverlässig. Bei der zweiten hilft sie fast nicht. Bei der dritten hilft sie gar nicht.

Für WhatsApp heißt das, kurz vorweggenommen: Was du schreibst, ist mit demselben Protokoll verschlüsselt wie bei Signal, und ein Bruch dieser Verschlüsselung ist nicht dokumentiert. Wer mit wem schreibt, weiß Meta dagegen sehr genau. Und ob deine Chat-Historie privat bleibt, entscheidet am Ende nicht die App, sondern dein iCloud-Backup. Der Rest dieses Artikels belegt diese drei Sätze.

Die drei Ebenen

EbeneWorum es gehtWas Verschlüsselung leistet
InhaltDer Text, das Foto, die SprachnachrichtSchützt zuverlässig
MetadatenWer mit wem, wann, wie oft, von woSchützt nicht
EndgerätDein Telefon, das des GegenübersSchützt gar nicht

Diese drei Zeilen sind der ganze Artikel. Alles Weitere ordnet Fälle, Firmen und Gesetze in genau diese Zeilen ein.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung heißt: Deine Nachricht wird auf deinem Telefon in unlesbaren Code verwandelt und erst auf dem Telefon des Empfängers wieder entschlüsselt. Der Schlüssel liegt ausschließlich auf den beiden Geräten. Der Anbieter, dessen Server die Nachricht durchläuft, sieht nur den Code. Das ist keine Vertrauensfrage, sondern Mathematik: Der Anbieter kann nicht mitlesen, auch wenn er wollte, und auch dann nicht, wenn ein Gericht es ihm befiehlt.

Metadaten sind alles außenherum. Nicht was du geschrieben hast, sondern dass du geschrieben hast. An wen. Wie oft. Um wie viel Uhr. Aus welchem Netz. Der Umschlag, nicht der Brief. Und der Umschlag ist unverschlüsselt, weil ihn jemand lesen können muss, um den Brief zuzustellen.

Ebene 1: Der Inhalt. Hier funktioniert es

Auf dieser Ebene ist die Lage besser, als der öffentliche Ton vermuten lässt.

Das Signal-Protokoll ist das quelloffene Verfahren hinter Signal, und es steckt nicht nur dort. WhatsApp beschreibt in seinem eigenen technischen Whitepaper (Version 9, Stand 25. Februar 2026), dass alle Chats dasselbe Signal-Protokoll verwenden, unabhängig vom Chattyp. WhatsApp und Signal verschlüsseln ihre Nachrichten also mit derselben Technik. Auch Apples iMessage ist Ende-zu-Ende verschlüsselt, nach Apples eigener Darstellung so gebaut, dass Apple die Unterhaltungen bei der Übertragung nicht entschlüsseln kann.

Ein öffentlich dokumentierter Bruch dieser Verschlüsselung ist uns nicht bekannt. Das ist kein Werbespruch, sondern eine Aussage über die Quellenlage: Wir haben weder eine Analyse einer Forschungseinrichtung noch ein Gerichtsdokument gefunden, das einen solchen Bruch beschreibt.

Die drei Einschränkungen, die trotzdem gelten

Telegram ist die große Ausnahme. Normale Chats und Gruppen bei Telegram sind nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das ist keine Unterstellung, das steht in Telegrams eigener Entwicklerdokumentation: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es nur in „Secret Chats“, und die sind ausdrücklich Einzelchats zwischen zwei Personen und an ein bestimmtes Gerät gebunden. Alles andere sind sogenannte Cloud-Chats, und die liegen laut Telegrams Datenschutzerklärung auf Telegrams Servern. Secret Chats muss man außerdem pro Unterhaltung aktiv starten, sie sind nicht der Normalfall.

Unsere Einordnung: Das ist der wichtigste einzelne Punkt in der ganzen Messenger-Debatte, und er wird fast immer falsch erzählt. Der Streitpunkt bei Telegram ist nicht staatlicher Druck, sondern die Bauart. Wer Telegram benutzt und glaubt, es sei ein verschlüsselter Messenger, irrt sich über das Produkt, das er benutzt.

Bei iMessage kommt es auf die Farbe der Blase an. Apples Nachrichten-App verschickt nicht nur iMessages, sondern auch SMS, MMS und RCS. Nur iMessage zwischen Apple-Geräten ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die grüne Blase läuft über das Netz deines Mobilfunkanbieters und hat mit der Verschlüsselung von iMessage nichts zu tun.

Auch geprüfte Verfahren haben Fehler. Die Applied-Cryptography-Gruppe der ETH Zürich hat 2022 das Protokoll von Threema untersucht und sieben Angriffe in drei Bedrohungsmodellen beschrieben, darunter einen Weg, über die Größe verschlüsselter Backups an private Schlüssel zu kommen. Die Lücken wurden nach koordinierter Meldung geschlossen, veröffentlicht wurde erst danach.

Unsere Einordnung: Wir führen das nicht auf, um Threema schlechtzumachen, sondern weil es zeigt, wie der Prozess aussehen soll, wenn er funktioniert: unabhängige Forschung, Meldung an den Hersteller, Behebung, dann Veröffentlichung. Ein Messenger, den nie jemand ernsthaft angegriffen hat, ist nicht sicherer. Er ist nur ungeprüft.

Ebene 2: Die Metadaten. Hier ist der eigentliche Angriff

2014 diskutierte der frühere Direktor von NSA und CIA, Michael Hayden, beim Foreign Affairs Symposium der Johns Hopkins University mit dem Juristen David Cole über Überwachung. Auf die These, Metadaten verrieten alles Nötige über eine Zielperson, antwortete Hayden nach Coles Bericht über die Debatte, an der er selbst teilnahm: „We kill people based on metadata.“ Wir töten Menschen auf Grundlage von Metadaten.

Das ist kein Bild, sondern die Auskunft eines Mannes, der beide Dienste geleitet hat.

Warum das so ist, lässt sich an einem Beispiel zeigen. Angenommen, jemand sieht ausschließlich, wer wann mit wem telefoniert hat, ohne ein einziges Wort mitzuhören: ein Anruf bei einer onkologischen Praxis, zwanzig Minuten später einer bei der Schwester, am Abend drei Anrufe bei verschiedenen Familienmitgliedern in Folge. Der Inhalt ist perfekt verschlüsselt. Und trotzdem weiß der Beobachter, was passiert ist. Dazu kommt: Ein Gesprächsinhalt muss gelesen und verstanden werden, ein Beziehungsnetz aus Zeitstempeln rechnet eine Maschine aus, über Millionen Menschen gleichzeitig.

Was die sechs großen Messenger im deutschen App Store angeben

Für diesen Artikel haben wir am 15. August 2026 die App-Datenschutzangaben der sechs Messenger ausgelesen, um die diese Debatte kreist. Diese Angaben stammen vom jeweiligen Anbieter selbst, Apple prüft sie nicht im Einzelnen nach. Der Anbieter muss sie gegenüber Apple aber korrekt angeben.

Entscheidend ist die Unterscheidung, die Apple trifft: „Mit dir verknüpfte Daten“ heißt, die Daten sind deiner Identität zugeordnet. „Nicht mit dir verknüpfte Daten“ heißt, sie fallen an, aber ohne Personenbezug.

MessengerMit dir verknüpftNicht verknüpft
SignalkeineKontaktinformationen
ThreemaKontaktinformationen, KennungenDiagnose
Nachrichten (Apple)Kontaktinformationen, Suchverlauf, Kennungen, Sonstige DatenStandort, Nutzungsdaten, Diagnose
TelegramGekaufte Artikel, Finanzinformationen, Standort, Kontaktinformationen, Kontakte, Benutzerinhalte, Kennungenkeine
WhatsAppGekaufte Artikel, Finanzinformationen, Standort, Kontaktinformationen, Kontakte, Benutzerinhalte, Kennungen, Nutzungsdaten, DiagnoseSuchverlauf
WeChatGesundheit und Fitness, Gekaufte Artikel, Finanzinformationen, Standort, Kontaktinformationen, Kontakte, Benutzerinhalte, Suchverlauf, Kennungen, Nutzungsdaten, Diagnosekeine

Quelle: App-Datenschutzangaben auf den Produktseiten von Signal, Threema, Nachrichten, Telegram, WhatsApp und WeChat, abgerufen am 15. August 2026 im deutschen App Store.

Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens die Spannweite: von einer einzigen Kategorie ohne Personenbezug bis zu elf Kategorien mit Personenbezug. Zweitens, dass Telegram und WeChat in der rechten Spalte leer sind. Bei ihnen ist alles, was anfällt, der Identität zugeordnet.

Was sich daraus über eine Person ableiten lässt

Die Kategorienamen klingen harmlos. Konkret bedeuten sie das hier.

Angabe im LabelWas das praktisch heißtWas sich daraus ableiten lässt
KontaktinformationenTelefonnummer, Name, E-Mail-AdresseWer du bist. Die Nummer verbindet dich mit Mobilfunkvertrag, Bankkonto und Meldeadresse
KontakteDein hochgeladenes AdressbuchDein soziales Umfeld, inklusive Menschen, die den Dienst nie benutzt haben
KennungenGeräte- und Account-KennungenWiedererkennung über Apps und Sitzungen hinweg, auch nach Nummernwechsel
StandortAufenthaltsort, teils im HintergrundWohnort, Arbeitsplatz, Tagesablauf, Reisen
NutzungsdatenWann und wie lange du die App benutztSchlafrhythmus, Arbeitszeiten, mit wem der Kontakt intensiver wird oder abreißt
BenutzerinhalteVom Nutzer erzeugte InhalteBei nicht Ende-zu-Ende verschlüsselten Diensten die Nachrichten selbst
FinanzinformationenZahlungsvorgänge in der AppKaufkraft, Abos, Empfänger von Zahlungen
SuchverlaufWas du in der App gesucht hastInteressen, Namen, nach denen du gesucht hast

Unsere Einordnung: Der Punkt ist nicht, dass eine einzelne Zeile gefährlich wäre. Der Punkt ist die Kombination. Adressbuch plus Zeitstempel plus Standort ergibt ein Beziehungsnetz mit Ortsbezug und Tagesablauf, und das ganz ohne eine einzige gelesene Nachricht. Genau davon spricht Haydens Satz.

Was bei Meta über Menschen landet, die nie ein Konto hatten

Eine Zeile der Tabelle oben verdient einen eigenen Abschnitt, weil sie als einzige Menschen betrifft, die selbst gar keine Entscheidung getroffen haben.

WhatsApp gehört seit 2014 zu Meta und bittet beim Einrichten um Zugriff auf das Adressbuch. Was dann passiert, steht in WhatsApps Datenschutzerklärung für den Europäischen Wirtschaftsraum, im Wortlaut der deutschen Fassung: Beim Kontakt-Upload stellst du Kontaktinformationen aus deinem Adressbuch zur Verfügung, „darunter die Nummern von Benutzerinnen unserer Dienste sowie die von deinen sonstigen Kontakten“. Für die sonstigen Kontakte, also für Menschen ohne WhatsApp, beschreibt der Dienst das „Speichern kryptografischer Hashwerte der Telefonnummern der Kontakte, die keine WhatsApp-Benutzerinnen sind, damit wir deine WhatsApp-Kontakte schnell aktualisieren können, wenn sich diese Kontakte zu einem späteren Zeitpunkt bei WhatsApp registrieren”. WhatsApp hält im selben Dokument fest, diese Information werde so verwaltet, „dass diese Kontakte nicht von uns identifiziert werden können“.

Genau daran hängt ein europäisches Verfahren. Die irische Datenschutzbehörde untersuchte ab Dezember 2018, ob WhatsApp seine Transparenzpflichten erfüllt, ausdrücklich gegenüber Nutzern und Nichtnutzern. Die Entscheidung vom August 2021 widmet den Nichtnutzern einen eigenen Teil und kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Telefonnummer eines Nichtnutzers sei dessen personenbezogenes Datum, und zwar vor wie nach dem Hashing-Verfahren. Nach einer bindenden Entscheidung des Europäischen Datenschutzausschusses wurde die Geldbuße auf 225 Millionen Euro festgesetzt. Endgültig entschieden ist die Sache aber nicht: WhatsApp wehrt sich, und der Europäische Gerichtshof hat die Klage am 10. Februar 2026 für zulässig erklärt und die Rechtssache C-97/23 P zur Sachprüfung an das Gericht zurückverwiesen.

Der zweite Strang betrifft das Zusammenführen über die Konzerndienste hinweg. In der Rechtssache C-252/21 gegen das Bundeskartellamt hielt der Europäische Gerichtshof in seiner Mitteilung zum Urteil vom 4. Juli 2023 fest, dass Meta Daten aus anderen Konzerndiensten, „darunter Instagram und WhatsApp“, Facebook-Konten zuordnet, und entschied, dass personalisierte Werbung ohne Einwilligung nicht als berechtigtes Interesse taugt. Für unser Thema am wichtigsten ist ein Nebensatz: Die Prüfung gelte unabhängig davon, ob die Informationen einen Nutzer des Netzwerks „oder eine andere natürliche Person betreffen“.

Unsere Einordnung: Der Mechanismus ist dokumentiert, die Rechtsfrage ist offen, und wir nehmen das Ergebnis nicht vorweg. Was bleibt, ist eine Schieflage, die keine Verschlüsselung berührt: Über deine Telefonnummer entscheidet nicht nur deine eigene App-Auswahl, sondern die Adressbücher aller Menschen, die deine Nummer gespeichert haben. Deshalb steht dieser Abschnitt auf Ebene 2 und nicht auf Ebene 1 – eine Nachricht war hier nie im Spiel.

Die Gegenprobe: was ein Anbieter herausgeben kann, der nichts hat

Der stärkste Beleg dafür, dass Metadatensparsamkeit wirkt, sind Gerichtsdokumente. Signal veröffentlicht auf signal.org/bigbrother die Anfragen von Strafverfolgungsbehörden samt der eigenen Antworten. In einem Verfahren vor dem Bundesbezirksgericht für den östlichen Bezirk von Virginia gab Signal an, ausschließlich zwei Angaben zu besitzen: das Datum der Registrierung und das Datum der letzten Verbindung zum Dienst. Signals Formulierung dazu: Man könne keine Daten auf gültige Anordnungen hin herausgeben, die man nie hatte.

Telegram beschreibt in Abschnitt 8.3 der eigenen Datenschutzerklärung das Gegenteil: Bei einer gültigen Anordnung der zuständigen Justizbehörden gibt Telegram IP-Adresse und Telefonnummer heraus. Diese Formulierung kam im September 2024 in die Erklärung, kurz nach der Festnahme des Telegram-Gründers Pawel Durow in Frankreich.

Für WeChat kommt eine andere Dimension dazu. Das Citizen Lab der University of Toronto hat 2020 in der Untersuchung „We Chat, They Watch“ dokumentiert, dass auch Kommunikation ausschließlich zwischen nicht in China registrierten Konten inhaltlich überwacht wird, und dass die dabei erfassten Dateien in das chinesische Zensursystem einfließen.

Ebene 3: Das Endgerät. Hier hilft nichts

Auf dieser Ebene sind fast alle bekannten Fälle angesiedelt, die in der Öffentlichkeit als „Verschlüsselung geknackt“ erzählt werden. Keiner von ihnen ist das.

Signalgate, März 2025. Hochrangige US-Regierungsmitglieder besprachen in einer Signal-Gruppe eine bevorstehende Militäroperation. In dieser Gruppe saß versehentlich Jeffrey Goldberg, der Chefredakteur des Magazins The Atlantic, der den Vorgang anschließend selbst beschrieb. Die Verschlüsselung hat funktionsgemäß gearbeitet. Sie hat den Inhalt für alle geschützt, die in der Gruppe waren, und genau darin lag das Problem.

Unsere Einordnung: Das ist der lehrreichste Vorfall der ganzen Reihe. Verschlüsselung schützt die Leitung, nicht die Gästeliste. Wer in einer Gruppe ist, liest mit, und keine Technik der Welt prüft, ob er dort hingehört.

Der Fall Tucker Carlson, 2021. Der US-Moderator behauptete, die NSA lese seine Kommunikation mit; der Fall wird bis heute als Beleg zitiert, Signal sei geknackt worden. Die Quellenlage ist strittig, aber ein öffentliches Dokument, das einen Bruch der Verschlüsselung beschreibt, gibt es nicht. Der Mechanismus, über den in solchen Fällen überhaupt etwas mitgelesen werden kann, ist ein anderer: Wenn das Gegenüber überwacht wird, sieht der Beobachter die entschlüsselte Nachricht auf dessen Gerät. Kein Krypto-Problem, ein Endgeräte-Problem. Und dagegen kann dein Messenger nichts tun.

Das entsperrte Telefon. Der häufigste und unspektakulärste Fall. Ein Telefon, das jemand anders in der Hand hält und entsperren kann, gibt alles preis. Deshalb ist der Gerätecode kein Randthema, sondern die Grundlage von allem darüber. Sechs Ziffern sind das Minimum, ein längerer alphanumerischer Code ist deutlich besser, und für alles andere gilt dieselbe Logik wie bei einem wirklich sicheren Passwort.

Der blinde Fleck: dein Backup

Hier entscheidet sich, ob die Verschlüsselung eines Messengers überhaupt etwas nützt. Und die drei großen Dienste stehen an dieser Stelle sehr unterschiedlich da, was in Vergleichstexten praktisch nie auftaucht.

Zuerst der Unterbau. Apple bietet zwei Stufen an. Beim standardmäßigen Datenschutz sind laut Apples eigener Übersicht 15 Datenkategorien Ende-zu-Ende verschlüsselt, bei allen anderen liegen die Schlüssel in Apples Rechenzentren. Mit dem erweiterten Datenschutz steigt die Zahl auf 25. Drei Kategorien sind in beiden Fällen nie Ende-zu-Ende verschlüsselt: iCloud Mail, Kontakte und Kalender. Apple begründet das damit, dass diese Dienste mit den weltweiten Standards für Mail, Kontakte und Kalender zusammenarbeiten müssen.

Bei iMessage trifft es voll zu. Zu „Nachrichten in iCloud“ schreibt Apple im selben Dokument: Der Dienst ist Ende-zu-Ende verschlüsselt, wenn iCloud-Backup deaktiviert ist. Ist iCloud-Backup dagegen aktiviert, enthält das Backup eine Kopie des Verschlüsselungsschlüssels für „Nachrichten in iCloud“. Und das Backup selbst ist beim standardmäßigen Datenschutz nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Damit ist die Kette geschlossen: Apple hat den Schlüssel zum Backup, und im Backup liegt der Schlüssel zu den Nachrichten. Mit erweitertem Datenschutz gilt das nicht mehr, dann ist auch das Backup samt Nachrichtenschlüssel Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Bei WhatsApp trifft es zu, aber nur unter einer Bedingung. Im Whitepaper zu verschlüsselten Backups (Version 2, Stand 1. Mai 2026) schreibt WhatsApp, dass Backups in iCloud und Google Drive vor Einführung der verschlüsselten Backups nicht durch WhatsApps Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt waren. Diese verschlüsselten Backups muss man aktiv einschalten und mit einem Passwort oder einem 64-stelligen Schlüssel absichern, den WhatsApp nicht kennt. Bemerkenswert ist die Empfehlung im selben Dokument: Wer sie nutzt, solle WhatsApp zusätzlich aus dem geräteweiten Backup abwählen.

Bei Signal trifft es nicht zu. Signal legt nichts im iCloud-Backup ab. Das war lange sogar unbequem: „In the past, if you broke or lost your phone, your Signal message history was gone“, schreibt Signal im eigenen Blog. Seit dem 8. September 2025 gibt es Secure Backups, freiwillig und Ende-zu-Ende verschlüsselt mit einem 64-stelligen Wiederherstellungsschlüssel, der auf dem Gerät entsteht und ohne den auch Signal nicht an das Archiv kommt. Kostenlos sind alle Textnachrichten und die Medien der letzten 45 Tage, für längere Medienhistorie verlangt Signal ein Abo (1,99 US-Dollar im Monat, im deutschen App Store ebenfalls 1,99 €).

Unsere Einordnung: In genau diesem Punkt schneidet Signal am besten ab, und das gehört gesagt. Wer den Messenger wechselt, aber sein Backup nicht anfasst, hat je nach App wenig bis gar nichts gewonnen. Bei iMessage ist der erweiterte Datenschutz der Hebel, bei WhatsApp die verschlüsselten Backups plus Abwahl aus dem Gerätebackup, bei Signal ist ohnehin nichts zu tun. Welche Backup-Wege es überhaupt gibt und was sie unterscheidet, steht im Vergleich von iCloud-Backup und Mac-Backup.

Die eigene Plattform, ehrlich betrachtet

Apple verkauft Datenschutz als Produktmerkmal. Das ist zu einem guten Teil belegt, und es hat Grenzen, die ebenfalls belegt sind. Beides gehört hierher.

Was gegen die Marketing-Erzählung spricht. Apple ist ein US-Unternehmen und unterliegt damit dem US-Recht, unter anderem Abschnitt 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act und dem CLOUD Act, der in 18 U.S.C. § 2713 festhält, dass ein Anbieter Daten auch dann herausgeben muss, wenn sie außerhalb der USA gespeichert sind. In den 2013 veröffentlichten NSA-Unterlagen aus dem Fundus von Edward Snowden ist Apple als Teilnehmer des Programms PRISM mit Beitrittsdatum Oktober 2012 aufgeführt. Apple widersprach damals in einer eigenen Stellungnahme und erklärte, erstmals am 6. Juni 2013 durch Presseanfragen von einem Programm namens PRISM gehört zu haben und keiner Behörde direkten Zugriff auf die eigenen Server zu geben. Beide Angaben stehen nebeneinander, und wir lösen den Widerspruch hier nicht auf.

Wie stark der Zugriff über die Jahre gewachsen ist, steht in Apples eigenem Transparenzbericht, der FISA-Zahlen nur in Fünfhunderter-Spannen nennen darf: Für FISA-Inhaltsanfragen kommt man für 2018 auf 27.500 bis 28.498 betroffene Accounts, für 2023 auf 107.000 bis 107.998. Ungefähr das Vierfache in fünf Jahren, genauer darf Apple nicht berichten.

Und Großbritannien hat gezeigt, dass eine Regierung eine Schutzfunktion abräumen kann. Im Februar 2025 stellte Apple den erweiterten Datenschutz für neue Nutzer im Vereinigten Königreich ein. Apple schreibt dazu auf einer eigenen Supportseite, man sei zutiefst enttäuscht, und hält zugleich fest, nie eine Hintertür oder einen Generalschlüssel gebaut zu haben. Für britische Nutzer bedeutete das konkret zehn iCloud-Kategorien ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, darunter iCloud-Backup, Fotos und Notizen. Die Supportseite stand zum Stand dieses Artikels unverändert online; ob und wann die Funktion zurückkehrt, ist offen.

Was für Apple spricht. 2016 verlangte das FBI im Fall San Bernardino von Apple eine speziell geschwächte iPhone-Software. Apple lehnte öffentlich ab, in einem bis heute abrufbaren offenen Brief von Tim Cook, und begründete das damit, dass eine solche Software potenziell jedes iPhone öffnen könnte. 2021 kündigte Apple an, iCloud-Fotos vor dem Hochladen auf bekanntes Missbrauchsmaterial zu durchsuchen, und zog das Vorhaben nach massiver Kritik von Fachleuten und Bürgerrechtsorganisationen im Dezember 2022 zurück. Eine Pressemitteilung gibt es dazu nicht, die Absage erfolgte als Unternehmensstellungnahme gegenüber Medien. Nachprüfbar ist das Ergebnis: Auf Apples Seite zur Kindersicherheit taucht die Funktion nicht auf, und ausgeliefert wurde sie nie. Und die Nachricht selbst ist bei iMessage tatsächlich Ende-zu-Ende verschlüsselt, weltweit, auch im Vereinigten Königreich.

Unsere Einordnung: Apple ist in dieser Frage messbar besser als die Konzerne, die vom Anzeigengeschäft leben, und Apple ist trotzdem ein Unternehmen unter staatlicher Jurisdiktion. Beides gleichzeitig zu sagen ist keine Ausweichbewegung, sondern die genaue Beschreibung. Wer eine dieser beiden Hälften weglässt, bekommt entweder Werbung oder Verschwörung.

Warum diese Frage in Deutschland anders wiegt

Am 15. Dezember 1983 kippte das Bundesverfassungsgericht große Teile des Volkszählungsgesetzes. Aus diesem Urteil stammt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Der zentrale Satz ist erstaunlich präzise für einen Text, der zwölf Jahre vor dem kommerziellen Internet geschrieben wurde:

Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.

Quelle: BVerfGE 65, 1, Urteil des Ersten Senats vom 15. Dezember 1983.

„Wer was wann und bei welcher Gelegenheit“ ist eine Definition von Metadaten. Das Gericht schrieb weiter, wer damit rechne, dass die Teilnahme an einer Versammlung behördlich registriert werde, verzichte womöglich auf die Ausübung seiner Grundrechte.

Der Hintergrund braucht keine Ausschmückung: Deutschland hat innerhalb eines Jahrhunderts zweimal erlebt, wie Melderegister, Karteien und Postkontrolle gegen Menschen verwendet wurden. Das Urteil von 1983 ist die juristische Konsequenz daraus, und es erklärt, warum diese Debatte hier anders geführt wird als in Ländern ohne diese Erfahrung.

Welchen Kompromiss du mit welchem Messenger eingehst

Kein Messenger ist für alles die richtige Wahl, und der wichtigste Faktor steht nicht in der Technik: Ein Messenger, den niemand aus deinem Umfeld benutzt, schützt dich nicht, weil du ihn nicht benutzen wirst.

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WhatsApp verschlüsselt die Inhalte mit demselben Protokoll wie Signal. Der Kompromiss liegt vollständig auf Ebene 2: Nach WeChat ist es die App im Feld mit den meisten personenbezogenen Datenkategorien im Label. Wer bei WhatsApp bleibt, sollte wissen, womit er bezahlt, und die verschlüsselten Backups einschalten. Neu seit Ende 2025: Unter dem Digital Markets Act muss WhatsApp in der EU Drittanbieter-Chats erlauben – freiwillig per Opt-in, und die Partner-Apps müssen laut Meta dieselbe Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwenden.

iMessage ist für die Kommunikation zwischen Apple-Geräten technisch solide und kostet dich keine Umgewöhnung. Achte auf die Blasenfarbe und auf dein Backup.

Telegram ist als sicherer Messenger nur dann eingerichtet, wenn du für jede Unterhaltung einzeln einen Secret Chat startest. Für Gruppen gibt es diese Möglichkeit gar nicht. Als Kanal für öffentliche Inhalte kann Telegram gut sein, als vertraulicher Messenger ist es das im Normalbetrieb nicht.

WeChat ist in Deutschland vor allem für den Kontakt nach China relevant. Wer die App aus diesem Grund braucht, sollte die Untersuchung des Citizen Lab kennen und das Verhalten daran ausrichten.

Was du konkret tun kannst

  1. Backup zuerst. Öffne Einstellungen → dein Name → iCloud und sieh nach, ob iCloud-Backup aktiv ist. Wenn ja, hat hier eine einzige Einstellung die größte Wirkung: den erweiterten Datenschutz aktivieren. Wer WhatsApp nutzt, schaltet dort zusätzlich die verschlüsselten Backups ein. Für Signal ist nichts zu tun.
  2. Gerätecode verlängern. Sechs Ziffern sind das Minimum. Ebene 3 schlägt jede Verschlüsselung.
  3. Einen Kanal für Vertrauliches festlegen. Nicht alles umstellen, sondern eine App bestimmen, in der die sensiblen Gespräche stattfinden. Wie der Umstieg praktisch abläuft, steht in der Anleitung zu Signal auf dem iPhone.
  4. Bei Telegram wissen, was du benutzt. Normale Chats sind nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Wer das nicht will, startet Secret Chats oder nutzt für Vertrauliches eine andere App.
  5. Die Auswahl kennen. Welche Alternative zu welchem Umfeld passt, haben wir in der Übersicht der WhatsApp-Alternativen fürs iPhone durchgespielt.

Die ehrliche Zusammenfassung in drei Sätzen: Auf Ebene 1 hast du längst gewonnen. Auf Ebene 2 entscheidest du mit der Wahl des Anbieters, wer dein Beziehungsnetz kennt. Auf Ebene 3 entscheidet nichts als deine eigene Sorgfalt.

Wenn du nach diesem Artikel genau eine Sache tust, dann die aus Punkt 1: Sieh in den iCloud-Einstellungen nach, ob dein Backup Ende-zu-Ende verschlüsselt ist. Das ist der einzige Schalter, der im Zweifel darüber entscheidet, ob die Verschlüsselung deines Messengers etwas wert war.

Häufige Fragen

Wurde Signal jemals geknackt?

Für einen Bruch der Verschlüsselung gibt es kein öffentliches Dokument. Die bekannten Fälle, in denen Signal-Nachrichten an die Öffentlichkeit kamen, betrafen die Teilnehmer der Unterhaltung oder deren Geräte, nicht das Verfahren. Signal veröffentlicht auf signal.org/bigbrother behördliche Anfragen samt Antworten, und daraus geht hervor, dass Signal nur Registrierungsdatum und Datum der letzten Verbindung besitzt.

Ist WhatsApp jetzt sicher oder nicht?

Beides, je nach Ebene. Die Inhalte sind mit demselben Protokoll verschlüsselt wie bei Signal, das steht in WhatsApps eigenem Whitepaper. Die Metadaten sind es nicht: WhatsApp gibt im deutschen App Store neun mit der Identität verknüpfte Datenkategorien an, Signal keine.

Bringt der erweiterte Datenschutz in iCloud wirklich etwas?

Ja, und zwar messbar. Er hebt die Zahl der Ende-zu-Ende verschlüsselten iCloud-Kategorien laut Apples Übersicht von 15 auf 25 und schließt das iCloud-Backup ein. Ohne ihn liegt im Backup eine Kopie des Schlüssels für „Nachrichten in iCloud“. iCloud Mail, Kontakte und Kalender bleiben allerdings auch mit erweitertem Datenschutz außen vor.

Sind Telegram-Gruppen verschlüsselt?

Nein. Nach Telegrams eigener Entwicklerdokumentation gibt es Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausschließlich in Secret Chats, und die sind auf Unterhaltungen zwischen zwei Personen beschränkt. Gruppen laufen als Cloud-Chats über Telegrams Server.

Warum ist Threema kostenpflichtig?

Threema verkauft die App einmalig für 7,99 € statt Daten. Das ist der Kern des Geschäftsmodells und der Grund, warum die App ohne Telefonnummer funktioniert. Ob dir das den Preis wert ist, hängt davon ab, ob du jemanden hast, mit dem du dort schreiben würdest.

Reicht es, den Messenger zu wechseln?

Das hängt vom Backup ab, und zwar je nach App unterschiedlich. Bei iMessage liegt ohne erweiterten Datenschutz im iCloud-Backup eine Kopie des Nachrichtenschlüssels, hier hilft nur der erweiterte Datenschutz. Bei WhatsApp gilt das für Backups ohne die WhatsApp-eigene Verschlüsselung. Signal legt gar nichts im iCloud-Backup ab, dort stellt sich die Frage nicht.

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