Ratgeber Veröffentlicht am 12. September 2026 8 Min. Lesezeit

iPhone-Preiserhöhung: Warum Apple die Preise angehoben hat

Apple hat am 10. September die Preise mehrerer iPhones angehoben, statt sie zu senken. Welche Modelle betroffen sind und was dahintersteckt.

Wer in den letzten Tagen nach einem iPhone geschaut hat, hat sich vielleicht gewundert: Die Preise sind nicht gefallen, sondern gestiegen. Am 10. September 2026 hat Apple die Listenpreise von vier bestehenden Modellen angehoben, beim iPhone 17e um mehr als ein Fünftel. Das ist ungewöhnlich: Nach einer Keynote nimmt Apple die Vorgänger sonst aus dem Sortiment und senkt die Listenpreise der übrigen Modelle, spätestens zur Lagerräumung im Januar.

Das sind die Änderungen:

ModellvorherjetztAufschlag
iPhone 17e (256 GB)699 €849 €+150 € (+21,5 %)
iPhone 17 (256 GB)949 €1.099 €+150 € (+15,8 %)
iPhone 16 (128 GB)849 €999 €+150 € (+17,7 %)
iPhone Air (256 GB)1.199 €1.299 €+100 € (+8,3 %)

Ein Hinweis dazu, weil es gerade durch die Berichterstattung geistert: Für das iPhone 16 nennen unter anderem teltarif, winfuture und netzwelt 949 Euro als alten Preis. Das war der Preis des iPhone 16 Plus. Das iPhone 16 stand bei Apple vorher bei 849 Euro.

Nicht betroffen sind die neuen Modelle. Das iPhone 18 Pro startet unverändert bei 1.449 Euro, das Pro Max bei 1.599 Euro, das faltbare iPhone Duo bei 2.299 Euro. Was diese Geräte können, steht in unserem Überblick zu den Neuerungen von iPhone 18 Pro und iPhone Duo.

Der Grund liegt im Speicher, nicht im iPhone

Zur Erhöhung vom 10. September hat sich Apple nicht geäußert. Die Ursache hat Apple aber schon im Juni benannt. Damals ging es um die Preise von Mac und iPad, das Unternehmen erklärte dazu wörtlich:

Die rasante Ausweitung von KI-Rechenzentren hat einen außergewöhnlichen Nachfrageschub nach Arbeits- und Massenspeicher ausgelöst, und wir haben noch nie erlebt, dass ein Bauteilpreis so stark und so schnell steigt.

Tim Cook wurde im selben Monat im Interview mit dem Wall Street Journal deutlicher, ebenfalls ohne Bezug auf iPhones. Preiserhöhungen seien „unvermeidbar”, man habe versucht, die Kunden davor zu schützen, aber die Lage sei „nicht mehr tragbar”. Und: „Ich habe so etwas in über 40 Jahren in keinem Bereich erlebt.” Im Quartalsbericht Ende Juli sprach er von einer „Jahrhundertflut bei den Speicherpreisen”.

Das klingt nach Marketing, ist aber durch Marktdaten gedeckt. Der Marktforscher TrendForce weist für Arbeitsspeicher folgende Preisänderungen je Quartal aus, jeweils gegenüber dem Vorquartal:

    1. Quartal 2025: minus 8 bis 13 Prozent
    1. Quartal 2025: plus 45 bis 50 Prozent
    1. Quartal 2026: plus 93 bis 98 Prozent

Für den Speichertyp, der in Smartphones steckt, nennt TrendForce im ersten Quartal 2026 rund 90 Prozent Aufschlag und bezeichnet das als den stärksten Anstieg seiner Geschichte. Unterm Strich kostet der Speicher für ein iPhone im dritten Quartal 2026 laut TrendForce fast das Fünffache des Vorjahres, also rund 400 Prozent mehr.

Was das je Gerät bedeutet, hat der Analysedienst TechInsights vorgerechnet: Arbeits- und Massenspeicher im iPhone 17 Pro kosteten Apple vor einem Jahr rund 50 Dollar. Dieselben Bauteile im iPhone 18 Pro kosten rund 200 Dollar. Der Speicheranteil an den Bauteilkosten ist damit von etwa 10 auf etwa 34 Prozent gestiegen.

Warum KI-Rechenzentren dein iPhone verteuern

Der Zusammenhang ist nicht offensichtlich, aber die Hersteller beschreiben ihn selbst. Speicherchips für KI-Server brauchen deutlich mehr Silizium je gespeichertem Bit als gewöhnlicher Arbeitsspeicher. Wer die Produktion dorthin verlagert, produziert mit derselben Fabrik weniger Chips für alles andere. SK Hynix formuliert das in der eigenen Marktprognose so, dass sich die Angebotslage bei gewöhnlichem Arbeitsspeicher „verbessert”, weil Kapazität zu KI-Speicher wandert. Für Käufer heißt dieselbe Entwicklung: Knappheit.

Dazu kommt ein Verteilungsmechanismus, der selten erwähnt wird. Große Cloud-Anbieter sichern sich per Langfristvertrag nicht nur Mengen, sondern auch Preise. TrendForce weist ausdrücklich darauf hin, dass der Preisdruck sich dadurch auf alle Kunden ohne solche Verträge verlagert. Smartphone- und PC-Hersteller konkurrieren also um das, was übrig bleibt.

Die Erhöhung ist in Deutschland größer als in den USA

Das lässt sich nachrechnen. In den USA hat Apple dieselben Modelle um jeweils 100 Dollar verteuert. Rechnet man die deutschen 150 Euro um, indem man die Mehrwertsteuer herausnimmt und den EZB-Referenzkurs vom 10. September ansetzt, landet man bei rund 146 Dollar. Das ist beim iPhone 17e, 17 und 16 also rund 46 Prozent mehr als der amerikanische Aufschlag. Nur beim iPhone Air stimmen beide Erhöhungen überein.

Warum die Erhöhung hier größer ausfällt, sagt Apple nicht. Der Wechselkurs erklärt es jedenfalls nicht, sonst müsste die Abweichung bei allen vier Modellen gleich ausfallen.

Man sieht es inzwischen in der amtlichen Statistik

Das Statistische Bundesamt hat für August 2026 eine Inflationsrate von 2,9 Prozent gemeldet. Interessanter als die Gesamtzahl sind zwei Zeilen darunter: Informationsverarbeitungsgeräte wurden binnen eines Jahres 9,0 Prozent teurer, Unterhaltungselektronik dagegen 2,8 Prozent billiger.

Das ist bemerkenswert, weil es sich um dieselbe Währung, denselben Monat und dieselbe Wirtschaftslage handelt. Eine Warengruppe, deren Preise über Jahrzehnte gefallen sind, dreht ins Plus, während die Nachbarabteilung weiter nachgibt. Genau so sieht eine Knappheit bei einem einzelnen Bauteil in der Statistik aus.

Meine Einschätzung

Der Speichermarkt erklärt, warum Apple ausgerechnet jetzt erhöht. Er erklärt nicht, warum solche Aufschläge nie wieder verschwinden.

Das liegt am Geld selbst. Was heute 1.099 Euro kostet, wird nächstes Jahr nicht wieder 949 kosten, weil der Maßstab schrumpft, in dem wir rechnen. Wie schnell das geht, muss man nicht in einer Statistik nachschlagen: Ein Döner kostete vor zehn Jahren ungefähr die Hälfte. Amtlich stieg der Preisindex für Schnellimbisse zwischen 2015 und 2025 um knapp 50 Prozent, Butter um über 100 Prozent, während der Gesamtindex bei 32 Prozent liegt. Was man täglich bezahlt, steigt schneller als der Durchschnitt, den die Inflationsrate ausweist. Warum das so ist und wie du deine eigene Rate ausrechnest, steht in unserem Artikel zur gefühlten Inflation.

Für dieses iPhone heißt das: Die 150 Euro haben einen konkreten Anlass im Speichermarkt. Dass sie bleiben, hat einen zweiten Grund, der in keiner Pressemitteilung steht.

Was du jetzt tun solltest

Nicht auf Apples Preisliste warten. Die übliche Regel, dass ältere Modelle im Januar billiger werden, hat Apple dieses Jahr gebrochen. Der Rabatt kommt aus dem Handel, nicht vom Hersteller. Wie du den besten Zeitpunkt findest, steht in unserem Ratgeber zum Kaufzeitpunkt.

Das iPhone 16 meiden. Mit 999 Euro für 128 GB und einem 60-Hz-Display ist es das schwächste Angebot. Das iPhone 17 kostet 100 Euro mehr und bietet doppelten Speicher und ein deutlich besseres Display.

Restposten prüfen. Apple hat das iPhone 17 Pro aus dem Sortiment genommen. Im Handel ist es noch da, und es ist derzeit der interessanteste Posten. Welches Modell grundsätzlich zu wem passt, klärt unsere iPhone-Kaufberatung.

Speicher bewusst wählen. Weil der Aufpreis je Speicherstufe direkt am teuersten Bauteil hängt, ist er in diesem Jahr besonders hoch. Beim iPhone Air ist die Terabyte-Variante von 1.699 auf 2.049 Euro gestiegen, also um 350 Euro oder gut 20 Prozent, während die 256-GB-Version nur 100 Euro teurer wurde.

Häufige Fragen

Werden die Preise wieder sinken?

Offen. TrendForce erwartet für das dritte Quartal 2026 eine deutliche Abschwächung des Anstiegs, aber keine Rückkehr auf altes Niveau. Samsung sprach im Quartalsbericht Ende Juli von einem Engpass, der bis 2028 anhalten dürfte. Vorsicht ist bei solchen Prognosen aber angebracht: Für das vierte Quartal 2025 hatte TrendForce im September 2025 einen Anstieg von 8 bis 13 Prozent erwartet, tatsächlich wurden es 45 bis 50 Prozent.

Ist das iPhone 18 Pro auch teurer geworden?

Nein, es ist neu und startet mit 1.449 Euro. Allerdings liegt dieser Startpreis bereits über dem des Vorgängers, ebenfalls wegen der Speicherkosten.

Warum trifft es Speicher und nicht andere Bauteile?

Weil KI-Rechenzentren genau diesen Bauteiltyp in großen Mengen brauchen und die Hersteller ihre Fertigung dorthin verlagern. Prozessoren sind davon nicht in gleichem Maß betroffen.

Lohnt es sich jetzt noch zu warten?

Nur wenn du auf Händlerangebote wartest, nicht auf Apple. Solange der Speichermarkt eng bleibt, gibt es keinen Grund für Apple, die Listenpreise zu senken.

Unser Fazit

Diese Preiserhöhung ist keine Modellpolitik, sondern ein durchgereichter Bauteilpreis. Das macht sie nicht angenehmer, aber es macht sie berechenbar: Solange KI-Rechenzentren den Speichermarkt leerkaufen, wird kein Hersteller die Preise von sich aus senken.

Für dich heißt das, den Blick vom Apple Store auf den Handel zu verlagern und beim Speicher genau zu rechnen. Und wenn dein aktuelles iPhone noch gut läuft, ist dieses Jahr ein besonders gutes Jahr, um es zu behalten.

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