EFB-Apps für Privatpiloten: Garmin Pilot, ForeFlight und SkyDemon im Vergleich
EFB-Apps fürs iPhone im Vergleich: SkyDemon für VFR in Europa, ForeFlight als IFR-Standard und Garmin Pilot für Cockpit-Integration.
Vor zwanzig Jahren bedeutete Flugvorbereitung: Karten falten, Wetter per Telefon abfragen, NOTAMs auf Papier durchgehen. Heute liegt all das in einer App auf dem iPad oder iPhone. Der Begriff dafür ist EFB, kurz für Electronic Flight Bag. Drei Apps dominieren den Markt für Privatpiloten: SkyDemon, ForeFlight und Garmin Pilot. Welche zu dir passt, hängt davon ab, wo du fliegst, wie du fliegst und welches Cockpit du hast.
Was ist eigentlich ein EFB?
Stell dir vor, du packst alles ein, was du für einen Flug brauchst: Sichtflugkarten, Anflugblätter für jeden Flugplatz, Wetterberichte, Luftraumdaten, NOTAMs, einen Rechner für Gewicht und Schwerpunkt, dazu ein Logbuch. Früher war das eine echte Aktentasche. Daher der Name Flight Bag. Ein EFB packt diesen ganzen Inhalt in eine Software. Du planst deine Route am Tisch, lädst die Charts aufs Gerät und nimmst es mit ins Cockpit. Dort wird dieselbe App zum Moving Map. Sie zeigt deine GPS-Position auf der Karte, warnt vor Lufträumen und protokolliert den Flug fürs Logbuch.
In der kommerziellen Luftfahrt sind EFBs seit Jahren Standard. Linienpiloten haben statt Aktenkoffern voller Handbücher ein iPad mit allen relevanten Dokumenten. Für Privatpiloten ist die Entwicklung ähnlich verlaufen. Das iPad mit großem Display ist das Hauptgerät. Das iPhone übernimmt Backup, Vorbereitung am Boden und passt in kleine Cockpits, in denen ein iPad keinen Platz findet. Wer sein Wetter-Briefing morgens vom Sofa aus macht, einen Flug ins Logbuch einträgt oder unterwegs nochmal die Charts checkt, greift zum iPhone. Im Cockpit selbst nutzen die meisten Piloten zusätzlich ein iPad, weil die Karte dort einfach mehr Übersicht liefert.
Drei Apps haben sich als ernsthafte EFB-Lösungen für die Allgemeine Luftfahrt etabliert. Sie kosten alle ein Abo zwischen 100 und 400 Euro pro Jahr, je nach Funktionsumfang und Region. Das klingt viel, ist aber gegenüber Papier-Charts mit jährlichem AIP-Abo ein faires Geschäft. Und der Sicherheitsgewinn durch tagesaktuelle Daten und integriertes Wetter ist nicht zu unterschätzen.
SkyDemon: Der VFR-Standard für Europa
SkyDemon ist die App, die in deutschen Aeroclubs am häufigsten geöffnet wird. Sie kommt aus Großbritannien und hat sich von Anfang an auf Europa fokussiert. Das macht sich überall bemerkbar: Lufträume, Pflichtmeldepunkte, Flugplatzdaten und VFR-Anflugkarten sind aus den nationalen AIPs aktuell eingepflegt. Wer einen Wochenendflug von Augsburg nach Friedrichshafen plant, bekommt jede Bravo-Spitze, jeden TMZ-Sektor und jede ED-R-Beschränkung präzise angezeigt. Auch die FIS-Frequenzen für die deutschen Sektoren liegen direkt am Wegpunkt.
Die Stärke von SkyDemon ist die Routenplanung. Du klickst zwei Punkte auf die Karte, und die App schlägt automatisch eine Route vor, die kontrollierte Lufträume möglichst meidet oder mit klarer Höhenführung durchquert. Wind und aktuelle METARs werden direkt eingerechnet. Im Cockpit zeigt die App Terrain, Lufträume und Verkehr (mit kompatiblem ADS-B-Empfänger). Die Bedienung ist auf VFR optimiert: keine überladenen Menüs, klare Karten, schnelle Eingaben.
Was SkyDemon nicht ist: eine IFR-Lösung. Es gibt keine Approach Plates für Instrumentenanflüge im klassischen Sinn, keine SID- oder STAR-Darstellung wie sie ein Berufspilot braucht. Für VFR-Privatpiloten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das aber irrelevant. Eine Personal-Lizenz kostet aktuell 149 Euro im ersten Jahr und 115 Euro pro Verlängerung (Stand 2026, inkl. MwSt) und enthält ganz Europa. Die Lizenz läuft auf bis zu zwei Mobilgeräten plus zwei PCs. Eine Testphase gibt es vor dem Kauf, ein dauerhaft kostenloses Modell nicht.
VFR-Flugplanung und Navigation für Privatpiloten in Europa mit Echtzeit-Wetterdaten.
Für wen: VFR-Freizeitflieger in Europa. Wer hauptsächlich in der DACH-Region unterwegs ist und keinen Instrumentenflug plant, ist mit SkyDemon optimal bedient.
ForeFlight: Der IFR-Standard aus den USA
ForeFlight ist die App, die in den USA jeder Pilot kennt. Von der Cessna 172 bis zum Citation-Jet, von der ersten Ausbildungsstunde bis zum kommerziellen Charterflug. ForeFlight deckt einfach alles ab. Die App kombiniert Routenplanung, Wetter-Briefing, NOTAMs, Approach Plates, Gewichts- und Schwerpunktberechnung, ADS-B-Verkehr, Synthetic Vision und ein digitales Logbuch in einer Oberfläche.
Der entscheidende Unterschied zu SkyDemon: ForeFlight ist gleichermaßen für VFR und IFR ausgelegt. Du bekommst geocodierte Approach Plates, Procedure Charts, Enroute-Karten in High- und Low-Altitude-Varianten. Synthetic Vision zeigt das Gelände dreidimensional vor dir an. Wer eine echte IFR-Berechtigung fliegt oder ernsthaft in diese Richtung trainiert, wird mit SkyDemon schnell an Grenzen stoßen. Mit ForeFlight nicht.
Seit Anfang 2026 hat ForeFlight die Tarife auf eine Drei-Stufen-Struktur umgestellt: Starter (rund 155 Euro pro Jahr) für Routenplanung, Charts und Wetter, Essential (rund 310 Euro pro Jahr) mit Synthetic Vision und Performance-Profilen, sowie Premium (rund 465 Euro pro Jahr) mit ADS-B-Datenverarbeitung, Wake-Turbulence-Vorhersage und manufacturer-zertifizierten Performance-Modellen. Für die DACH-Region kommt zusätzlich ein nationales VFR-Pack obendrauf, etwa das DFS-Paket für Deutschland mit AIP und VFR-Charts ab rund 105 Euro pro Jahr. IFR-Flüge laufen über Jeppesen-Charts, die separat als Coverage-Pack abgerechnet werden. Über das ForeFlight Referral-Programm gibt es 10 Prozent Rabatt fürs erste Abo.
Professionelles elektronisches Flugbuch mit Karten, Wetter und Flugplanung.
Für wen: IFR-Piloten, ambitionierte VFR-Piloten mit professionellem Anspruch, alle die viel international fliegen. Wer sich ernsthaft mit Instrumentenflug beschäftigt, kommt an ForeFlight kaum vorbei.
Garmin Pilot: Wenn dein Cockpit Garmin ist
Garmin Pilot ist die App für Piloten, deren Flugzeug ein Garmin-Cockpit hat. Wer in einer Maschine mit GTN 650/750, G1000 NXi oder einem GI 275 fliegt, bekommt eine Integration, die keine andere App liefert. Flugpläne lassen sich vom iPhone direkt ans Panel senden. Wetter und Verkehr vom Garmin-ADS-B-Empfänger erscheinen sofort in der App. Frequenzen, Approaches und Direct-To-Eingaben synchronisieren in beide Richtungen.
Funktional ist Garmin Pilot eine vollständige EFB-Lösung. Routenplanung, Wetter, Charts, Logbuch, alles vorhanden. Synthetic Vision ist ein Highlight, besonders auf neueren iPhones mit großem Display. Die App ist hauptsächlich auf den US-Markt zugeschnitten, hat aber inzwischen ein solides Europa-Paket mit nationalen AIP-Charts und Jeppesen-Daten.
Der ehrliche Punkt: Wenn du kein Garmin im Cockpit hast, bekommst du mit SkyDemon (für VFR) oder ForeFlight (für IFR) das bessere Erlebnis. Garmin Pilots Stärke ist die Hardware-Symbiose. Ohne diese Integration ist die App solide, aber nicht der naheliegende Kauf. Die 30-Tage-Testphase ist ein guter Weg, um zu prüfen, ob die Kopplung mit deiner Avionik so flüssig funktioniert wie versprochen. Das Premium-Abo mit Europa-Daten liegt bei rund 250 Euro pro Jahr, eine Lizenz deckt zwei Geräte ab.
Professionelle EFB-App für Piloten – Flugplanung, Charts und Live-Wetter.
Für wen: Piloten mit Garmin-Avionik. Die nahtlose Synchronisation zwischen App und Panel ist das stärkste Argument und für niemanden sonst genauso relevant.
Berufspilot oder Sportpilot? Der entscheidende Unterschied
EFB-Apps lassen sich grob in zwei Welten trennen: Allgemeine Luftfahrt (Privat- und Sportpiloten) und kommerzielle Luftfahrt (Airlines, Geschäftsflieger). Die drei oben genannten Apps decken die erste Welt ab. In der zweiten Welt heißt der Standard Jeppesen Mobile FliteDeck Pro. Über 650 Airlines weltweit nutzen die App, mehr als 15 Millionen Flüge sind paperless damit absolviert worden. FliteDeck Pro ist nicht im normalen App Store kaufbar, sondern wird über Operator-Verträge ausgerollt und enthält das gesamte weltweite Jeppesen-Chart-Universum, Smart Airport Maps und integrierte Flight Folder.
Für Berufspiloten relevant ist auch die EASA-Konformität. In der kommerziellen Luftfahrt gelten EFBs als zertifizierte Hardware-Software-Kombination und müssen vom Operator nach AMC 20-25 zugelassen werden. Privatpiloten sind davon nicht betroffen, dürfen jede der drei Apps frei nutzen. Wer in der Ausbildung zum Berufspiloten steckt, kommt am Boden trotzdem mit ForeFlight Premium am weitesten, weil die Workflow-Logik ähnlich zu FliteDeck Pro ist und die Integration in Operator-Tools (Flight Tracking, OFP-Import) eingebaut ist.
Sport- und UL-Piloten kommen mit SkyDemon meist günstiger und einfacher zum Ziel. Wer regelmäßig in den Bergen fliegt, sollte zusätzlich auf Apps wie Air Navigation Pro oder Avia Maps schauen, die Schweizer und alpine Daten besonders detailliert aufbereiten. Für die meisten reicht SkyDemon allein.
Welche App passt zu welchem Piloten?
Drei kurze Profile, an denen du dich orientieren kannst:
Du fliegst VFR am Wochenende, hauptsächlich in Deutschland und den Nachbarländern. Nimm SkyDemon. Die Karten und Lufträume passen perfekt zu deinem Einsatzgebiet, die Bedienung ist auf VFR-Workflows optimiert, der Preis ist fair. Dazu eine simple Aviation-Wetter-App für Briefings am Boden, und du bist gut ausgerüstet.
Du machst gerade IR oder fliegst regelmäßig IFR. Nimm ForeFlight Essential mit Europe-Add-on. Du bekommst die beste Approach-Chart-Darstellung, das beste Wetter-Briefing und die professionellste Plattform am Markt. Dass die App primär aus US-Sicht gebaut ist, fällt im IFR-Workflow weniger ins Gewicht.
Dein Flugzeug hat ein modernes Garmin-Panel. Nimm Garmin Pilot. Die Integration mit Cockpit und ADS-B-Hardware ist der Mehrwert, den keine andere App liefert. Wenn du parallel ein anderes Flugzeug ohne Garmin fliegst, kann ein zweites Abo bei SkyDemon oder ForeFlight sinnvoll sein.
Eine letzte Empfehlung. Bevor du dich festlegst, nutze die kostenlose Testphase aller drei Apps. Plane einen typischen Flug, lade die Charts, simuliere die Navigation am Boden und schau, welche Bedienlogik dir liegt. Ein EFB ist ein Werkzeug, das du jede Woche nutzt. Dieses eine Wochenende Vergleich spart dir viel Frust später. Wenn du noch keinen festen Flugbegleiter für die Reisevorbereitung am Boden hast, schau außerdem bei den iPhone-Apps für Reiseplanung vorbei.
Häufige Fragen
Welche EFB-App ist die günstigste?
SkyDemon liegt mit 149 Euro im ersten Jahr und 115 Euro Folgepreis für ganz Europa am unteren Ende. ForeFlight Starter beginnt bei rund 155 Euro, mit Europa-VFR-Pack und Jeppesen-IFR-Charts steigt der Gesamtpreis aber schnell auf 300 bis 500 Euro pro Jahr. Garmin Pilot Premium für Europa kostet etwa 250 Euro pro Jahr. Alle drei Apps sind reine Abos, einen Einmalkauf gibt es bei keiner.
Sind die Apps für DACH-Piloten geeignet?
SkyDemon ist klar am besten auf den europäischen VFR-Markt zugeschnitten und kennt deutsche, österreichische und Schweizer Lufträume im Detail. ForeFlight und Garmin Pilot bieten ebenfalls Europa-Pakete mit nationalen AIP-Daten, sind aber primär aus US-Perspektive entwickelt. Für reine VFR-Flüge in der DACH-Region ist SkyDemon die naheliegendste Wahl.
Brauche ich extra Hardware für eine EFB-App?
Nein, alle drei Apps funktionieren mit dem internen GPS des iPhones oder iPads für die Moving-Map-Darstellung. Wer Verkehrsdaten und Wetter in der Luft empfangen will, braucht zusätzlich einen ADS-B-Empfänger wie Stratux, Sentry oder ein Garmin GDL 50. Garmin Pilot spielt seine Stärken erst voll aus, wenn das Cockpit ohnehin Garmin-Avionik hat. SkyDemon und ForeFlight sind dagegen hardwareneutral.
Welche EFB nutzen Berufspiloten?
In der kommerziellen Luftfahrt ist Jeppesen Mobile FliteDeck Pro der Standard. Über 650 Airlines weltweit setzen die App ein, sie wird aber ausschließlich über den Operator ausgerollt und ist nicht für Einzelkäufer im App Store verfügbar. Für angehende Berufspiloten in der Ausbildung ist ForeFlight Premium die naheliegendste Wahl am Boden, weil die Logik ähnlich aufgebaut ist.
Reicht das iPhone allein oder brauche ich ein iPad?
Fürs Briefing am Boden, ein Backup im Flug und Logbuch-Eintragungen reicht das iPhone problemlos. Im Cockpit selbst ist ein iPad mit großem Display klar im Vorteil, weil die Karte mehr Kontext zeigt und die Bedienelemente nicht ständig im Weg sind. Die meisten Privatpiloten kombinieren beides: iPhone als Zweitgerät, iPad als primäres Moving Map.