Zoom - das Facebook der Videotelefonie

3. Mai 2020

Anfang April habe ich in einem Artikel beschrieben, warum man meiner Meinung nach Zoom nicht benutzen solle. Seit dem hat Zoom Video Communications ihre Software mit mehreren Sicherheitsupdates verbessert und Meetings haben nun standardmäßig Passwörter, sodass "zoom-bombing" nicht mehr stattfinden kann. Außerdem wurde das Installationspaket für macOS verändert, sodass Zoom nicht mehr "mit den gleichen Tricks wie macOS Schadsoftware" installiert wird, sondern  über den vorgesehenen Weg wie andere Software. (Quelle)

Durch die Flut von Sicherheitsupdates und positiven Nachrichten die ich im letzten Monat über Zoom gelesen habe, war ich nun fast so weit der Firma die Verletzung der Privatsphäre seiner Nutzer zu vergeben und meine ursprüngliche Empfehlung, Alternativen zu benutzen, zu revidieren. Software einer Firma, welche schnell auf Kritik reagiert und Fehler ausbessert, kann man doch nicht schlecht machen.

Nun hat jedoch Tom Warren von The Verge herausgefunden, dass Zoom Video Communications in ihrem Blog Beitrag vom 22. April 2020 über die Anzahl der täglich aktiven Zoom Nutzer gelogen hat. Ursprünglich schmückte sich die Firma mit "300 Millionen tägliche Nutzer" und beschrieb, dass "300 Millionen Menschen überall auf der Welt" Zoom nutzen würden (Zitate nach deutsch übersetzt). Die Zahl der täglich aktiven Nutzer wird üblicherweise von Unternehmen zur Messung der Servicenutzung verwendet. So freut sich Microsoft zum Beispiel über 44 Millionen täglich aktive Nutzer für ihren Videokonferenz Dienst (Quelle) und Google über 100 Millionen täglich aktive Nutzer für Google Meet (Quelle).

Tom Warren fiel jedoch auf, dass die Formulierungen im Blog Beitrag nach zwei Tagen zu "300 Millionen tägliche Zoom-Sitzungsteilnehmer" geändert wurden. Es handelt sich also keineswegs um 300 Millionen Menschen überall auf der Welt, da Sitzungsteilnehmer von Zoom Video Communications so definiert wird, dass die Zahl mehrfach hochgezählt wird, wenn ein Mensch an einem Tag an mehreren Meetings teilnimmt. Zoom Video Communications gab diesen Fehler zu und bestätigte, dass in ihrem Beitrag Sitzungsteilnehmer   "unbeabsichtigterweise" als Benutzer oder Personen bezeichnet wurden.

Dazu möchte ich außerdem die genaue Abfolge der Ereignisse klarstellen: Am 22. April veröffentlichte die Firma den Artikel. Ein Tag später werden die Wörter  Benutzer und Personen in Zoom-Sitzungsteilnehmer geändert. Eine Klarstellung, dass ein Fehler gemacht wurde und dadurch jeder Artikel, welcher am Vortag über die Pressemitteilung verfasst wurde, falsch ist veröffentlichte Zoom nicht. Zu diesem Zeitpunkt war es also nahezu unmöglich die Änderungen mit zu bekommen. Erst auf die Nachfrage des Reporters Tom Warren wurde am 29. April am Ende des Beitrags ein Abschnitt hinzugefügt, welcher den Fehler bestätigt und außerdem einräumt, dass schon am 23. April Änderungen vorgenommen wurden ohne diese zu Kennzeichnen.

Zoom Video Communications hat mir also gezeigt, dass sie:

  • bösartige Tricks verwenden um die Software auf mehr Computer zu bringen
  • sich nicht um die Privatsphäre ihrer Nutzer kümmern
  • falsche Aussagen über den Verschlüsselungsgrad ihrer Software treffen
  • "versehentlich" falsche Aussagen über Nutzungszahlen veröffentlichen
  • ihre Fehler erst zugeben, wenn sie explizit danach gefragt werden oder gesellschaftlicher Druck ausgeübt wird

Deswegen speichere ich mir die Firma Zoom Video Communications mental in die gleiche Kategorie wie Facebook; Wenn möglich meiden.

Georg Röhl

Informatik Student und User-Interface Designer aus Aachen. Mich begeistern zukunftsweisende Technologien, Mensch-Maschine-Interaktion und Smart Homes.

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